“Die neue Studie „B2B-Wertewelten“ der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag (dfv), die Funktion und Bedeutung von Fachmedien untersucht, liefert den empirischen Beweis: Bei der beruflichen Medienrezeption gibt es einen neuen Trend, der die Rolle der Fachmedien deutlich verändert. Die Leser von B2B-Medien wollen Informationen, die für ihren jeweiligen Beruf relevant sind, nicht einfach auf einem Silbertablett serviert bekommen. Vielmehr halten sie es in einer zunehmend interaktiven Welt für wichtig, selbst komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen und sich aus eigener Kraft einen Weg durch das tägliche Informationsdickicht zu bahnen. Dabei orientieren sie sich immer weniger an einzelnen Quellen oder Experten.
„Komplexitätsreduktion durch Eigenaktivität“ ist ein gesellschaftlicher Megatrend, vor dessen Hintergrund den Fachmedien eine neue Schlüsselrolle zukommt: Mit ihrem Informations- und Kommunikationsangebot geben sie den B2B-Entscheidern das nötige Rüstzeug an die Hand, im Sinne des Megatrends eigenaktiv Komplexität zu reduzieren. Dies ist das zentrale Ergebnis der dfv-Studie, in deren Rahmen das renommierte Bremer Institut nextpractice 132 Top-Entscheider befragt hat.
Relevanzfilter und Interaktionsverstärker
Moderne Fachmedien nutzen diesen Megatrend, so ein weiteres Resultat der Studie: Um die Leser beim Aufbau eigener Kompetenzen zu unterstützen, beschränken sie sich nicht mehr nur auf ihre klassische Kernfunktion als „Relevanzfilter“, sondern finden sich zunehmend in ihre neue Rolle als „Interaktionsverstärker“ ein, die laut Studie in der Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Kontakte, Dialog und Erfahrungsaustausch – damit können B2B-Medien im Internet und bei Events „begeistern“, wie die Befragung aufzeigt.
„Fachmedien liefern sachlich richtige, zeitlich passende und zielgruppenspezifisch zugeschnittene Informationen. Gleichzeitig bieten sie Plattformen für den gegenseitigen Austausch. So machen sie sich bei der Entscheidungsunterstützung und Meinungsbildung unentbehrlich. Darin liegt ihr besonderes Potenzial, denn wenn sie beide Komponenten ideal zusammenführen, können sie ihren Lesern das geforderte Werkzeug für die aktive Komplexitätsreduktion zur Verfügung stellen“, fasst Prof. Dr. Peter Kruse, wissenschaftlicher Kopf der Studie, zusammen.
Fachmedien als Druckventil
Insbesondere B2B-Entscheider, die sich einem besonders hohen Druck im Berufsalltag ausgesetzt fühlen, honorieren Fachmedien als ideale Entscheidungshilfen. „Je höher der subjektive Stress, desto positiver werden Fachmedien wahrgenommen, denn sie sind ein essentielles Druckventil – dies wird in der Studie deutlich“, so Prof. Dr. Kruse.
Nicht nur das persönliche Stresslevel, auch die Berufserfahrung beeinflusst das Urteil über Fachmedien: Die sogenannten „Young Professionals“, die erst zwei bis fünf Jahre in einer Branche tätig sind, bewerten die Fachmedien sogar noch positiver als die „alten Hasen“. Dazu Prof. Dr. Kruse: „Je geringer der eigene Erfahrungsschatz ist, desto eher sieht man Fachmedien als ideale Unterstützung für die Entscheidungsfindung.“
Print, digitale Angebote und Events
Auch auf die Frage, über welche Kanäle B2B-Entscheider Fachinformationen erhalten möchten, gibt die Studie Aufschluss: Am besten über alle. Zwar werden je nach Alter und persönlichem Informationstyp bestimmte Wege präferiert, aber generell gilt: „Moderne Fachmedien bieten über alle Kanäle aufeinander abgestimmte Informationen an, denn die Entscheider nutzen unabhängig von Alter und Berufserfahrung die ganze Vielfalt, also Print, Online bzw. Social Media sowie Events“, so Prof. Dr. Kruse. Insgesamt ergibt sich dabei laut Studie ein relativ ausgewogenes Bild: So greifen die 52 Prozent, die Fachmedien insbesondere als Relevanzfilter schätzen, eher zu Print-Produkten. Dagegen neigen die 48 Prozent, bei denen die Rolle als Interaktionsverstärker besonders ins Gewicht fällt, eher zu den digitalen Angeboten bzw. zum Informationsaustausch auf B2B-Events.
Methodik der Studie
„B2B Wertewelten“ ist eine empirische Studie, bei der mittels des computergestützten Interview-Tools nextexpertizer® die Aussagekraft qualitativer Interviews mit der Vergleichbarkeit quantitativer Analysen verbunden wurde. nextpractice arbeitete dafür mit bis zu 50 Vergleichselementen, die den Forschungsgegenstand – in diesem Fall Fachmedien – beschreiben. Diese Elemente wurden durch den Befragten paarweise miteinander verglichen, dann assoziativ mit seinen eigenen Worten beschrieben und anschließend durch ihn bewertet. Die so entstandenen individuellen Bewertungsmuster wurden mathematisch-statistisch zu intuitiven Gruppenmustern aggregiert, die vielfältige Auswertungsmöglichkeiten auch anhand der Originalbeschreibungen zulassen.
Die Ergebnisse gibt es nun auch in diesem ePaper.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse von “B2B-Wertewelten” bietet dieser Film von dfv:
In Bezug auf die Studie hat sich Herr Holger Knapp, DFV-Geschäftsführer, zur Rolle der Fachmedien und dem Gattungsmarketing bei Horizont einigen Fragen gestellt.
Was ist für Sie das zentrale Ergebnis aus der Studie?
Im Vordergrund steht die Erkenntnis, dass der Leser seine Erwartungshaltung gegenüber Fachmedien geändert hat. Diese zielt heute stark darauf ab, eigenverantwortlich die Komplexität im beruflichen Alltag zu reduzieren. Der Leser möchte zwar weiterhin die Information, aber die Schlüsse daraus zunehmend selber ziehen. Außerdem wird von Fachmedien immer mehr erwartet, dass sie dies auch durch den direkten Dialog und Erfahrungsaustausch ihrer Leser ermöglichen. Fachmedien filtern also Relavanz und verstärken Interaktion.
Wie setzen Sie die Ergebnisse ein?
Wir kommunizieren die Ergebnisse zunächst in unseren 90 Fachmedien in Print und online, auch auf diversen Websites. Die Sales-Teams werden die Studie bei Agenturen und Kunden präsentieren. Zum anderen dient sie als Grundlage für interne strategische Überlegungen: Was bedeutet der Megatrend “Komplexitätsreduktion durch Eigenaktivität“ für unsere Geschäftsmodelle? Wie gehen wir redaktionell und verkäuferisch damit marktgerecht um? Im Strukturwandel der Medien sind das für den DFV wichtige Fragen.
Warum investiert der DFV immer wieder in Gattungsmarketing?
Die Fragmentierung der Medien bringt eine deutliche Verschärfung des intermedialen Wettbewerbs, denn die Zeitbudgets der Leser und die Mediabudgets der Kunden wachsen nicht mit. So steht vor jeder Entscheidung für ein Abo, die Teilnahme an einem Event oder die Buchung von Werbeplätzen immer die Entscheidung für die Gattung. Deswegen ist es wichtig, an dieser vorgelagerten Verkaufsfront für Transparenz zu sorgen und nachhaltig zu punkten. Diese Zusammenhänge gelten aufgrund unserer Unternehmensgröße und Marktbedeutung insbesondere für den DFV, aber auch für alle anderen Fachmedienanbieter.
Ist nicht diese Form der Interessenbündelung daher Aufgabe der Deutschen Fachpresse?
Ja, genau. Deswegen wird dort auch eine ganze Menge getan, um die Leistungsfähigkeit von Fachmedien ins richtige Licht zu rücken. Wir denken aber, dass dies starke Mitglieder nicht von ihrer Verantwortung für die Gattung entbindet. Daher hat der DFV das Pflichtprogramm des Verbandes durch eine, wie wir finden, sowohl im technischen Schwierigkeitsgrad als auch in der künstlerischen Note überzeugende Kür sinnvoll erweitert. Die Ergebnisse nützen der gesamten Branche. Wenn sie entsprechend eingesetzt werden, freuen wir uns.