„Wir brauchen mehr unternehmerisch denkende Mitarbeiter“, postulierte Prof. Horst Wildemann, TU München, anlässlich des diesjährigen Münchner Management Kolloquiums, „denn Unternehmertum bringt das dringend gebrauchte Wachstumspotenzial.“ Dabei machte er deutlich, dass die Globalisierung der Geschäftstätigkeiten, verbunden mit einer Dezentralisierungder Unternehmensorganisationen, auch in Zeiten eines sich deutlich abkühlenden Geschäftsklimas eine treibende Kraft für Unternehmen darstellt. Unternehmerisches Handeln sei dabei eine Grundvoraussetzung für den Unternehmenserfolg. Dieses sinnvoll zu organisieren, ohne einen Kontroll- und Effizienzverlust zu erleiden, ist Aufgabe einer wertebewussten Unternehmensführung.
Gerade international ausgerichtete Unternehmen sind hier angesprochen. Mit der Globalisierung, als einer der stärksten Triebfedern zur Veränderung von Unternehmen, werden die Fragen nach Organisation, Kontrolle und Abstimmung, so der Universitätsprofessor, neu gestellt. Internationale Unternehmen brauchen demnach unternehmerisch handelnde Mitarbeiter fern der Heimat, doch gleichzeitig dürfe die Kontrolle über sie nicht verloren gehen. Es brauche selbständig agierende Manager vor Ort, doch gleichzeitig müssen Synergieeffekte zwischen allen Unternehmensteilen realisiert werden. Oftmals handele es sich so um widersprüchliche Zielsetzungen, die den Aufbau eines internationalen Unternehmens zur schwierigen Aufgabe werden lässt.
Er verdeutlichte, dass kulturelle Unterschiede in globalen Märkten zu differenzierten Organisationsformen führen. Damit wird die strategische Identität eines Unternehmens, die sich aus Visionen, Strukturen, Positionierungen der Produkte und aus den Kernkompetenzen bildet, zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Der bisherige Rahmen aus Strategie, Struktur und Kontrolle müsse um einen Kulturfaktor ergänzt werden.
Nischen ausschöpfen und global wachsen
Die Marktdynamik zwingt zur Entscheidungsverlagerung in die dezentralen Einheiten. Führungskräfte müssten dabei national führen und international kooperieren. Solche dezentralen Organisationsstrukturen bieten dann die Chance, Nischen auszuschöpfen und global zu wachsen. Für unternehmerisch Handelnde im Unternehmen gelte es einen Rahmen abzustecken, der für die unternehmerische Freiheit Fixpunkte definiere. Nur so könne sich diese Freiheit von einer sicheren Basis aus entfalten. Ebenfalls unverzichtbar sei eine Unternehmenskultur mit gemeinsamen Werten; Unternehmensziele werden gemeinsam verfolgt, Führungskräfte vernetzen sich untereinander und kooperieren miteinander. Die Steuerung solcher dezentralen Unternehmenseinheiten bedarf eines integrierten Management Systems, das der Strategie ‚Value to the Customer’ folgt.
Schon früher wies Wildemann darauf hin, dass es im Zeichen der Internationalisierung wieder Innovatoren und Pioniere brauche. In Krisenzeiten seien weniger Planer und Sanierer gefragt. Es steht zu wünschen, dass die Ausbildung der Führungskräfte wieder einen höheren Stellenwert bekommen wird. Die Auslotung und Förderung der individuellen Potenziale sollte im Vordergrund stehen. In diesem Sinne tun Unternehmen gut daran, kompetente Mitarbeiter in den eigenen Reihen zu suchen und gezielt zu Führungskräften auszubilden. Dies sei, so Wildemann, einer der sichersten Wege, um im richtigen Augenblick die Chancen der Globalisierung voll nutzen zu können.
[Tags]media-TREFF.de, Münchner Management Kolloquium 2009, Prof. Horst Wildemann, TU München, Unternehmertum, Unternehmerisches Handeln, Globalisierung, Dezentralisierung, Kulturfaktor,Erfolgsfaktor, Unternehmenserfolg, Ausbildung, Führungskräfte, Werte, Unternehmensziele, Martin Sonneck, Danny Hübner [/Tags]