“Die Rückbesinnung auf Werte ist heute für Manager unverzichtbar. Wer in unserer individualisierten Gesellschaft erfolgreich führen will, muss Prinzipien mit einem „über individuellen“ Geltungsanspruch vorleben. Nur wenn an der Spitze der Unternehmen Werte wie Integrität, Verantwortungsbereitschaft und Engagement glaubwürdig verwirklicht werden, kann der in Deutschland dringend nötige Stimmungswandel hin zu mehr Optimismus und mehr Vertrauen gelingen: Wettbewerb für mehr Dynamik und Eigenverantwortung für die Starken muss sich paaren mit Hilfsbereitschaft, Respekt und Toleranz. Nur eine Gesellschaft, die weiß, woran sie glaubt, kann die Kraft aufbringen, die Zukunft zu gestalten.”
Diese Aussage stammt von Professor Dr. Burkhard Schwenker ( CEO Roland Berger Strategy Consultants), Kurator und Mentor der “Wertekommission – Initiative für Werte Bewusste Führung e.V.” , einer ehrenamtlichen Inititaive engagierter Manager und Unternehmer in Deutschland.
Werte wie Vertrauen und Ehrlichkeit werden für jüngere Führungskräfte in Deutschland immer wichtiger. Zugleich beklagt die Mehrheit von ihnen ein großes Defizit an werteorientierter Führung durch das Top-Management ihrer jeweiligen Unternehmen und eine mangelhafte Umsetzung der formal vorhandenen Wertesysteme. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Führungskräftebefragung 2009, die in Zusammenarbeit mit dem “Deutscher Managerverband e. V.” entstand und vor dem derzeitigem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklungen und öffentlichen Meinung eine besondere Bedeutung bekommt. Befragt wurden dafür bundesweit mehr als 500 Führungskräfte im Alter von 26 bis 40 Jahren.
Seit der letzten Studie der Wertekommission im Jahr 2007 haben sich auch die Werte, nach denen junge Führungskräfte ihr Leben ausrichten und ihren Beruf gestalten wollen, noch stärker auf Vertrauen und Ehrlichkeit fokussiert. Das ist bereits eine Folge der Krise, auch wenn letztere zum Zeitpunkt der Befragung in der 2. Jahreshälfte noch nicht auf ihrem Höhepunkt war. Umso beeindruckender ist, dass die jungen Führungskräfte den Paradigmenwechsel offenbar schon sehr früh gespürt und vorweggenommen haben. Konsequent sind auch Family Values und Work Life Balance wichtiger geworden. Sie repräsentieren zum einen den Wunsch nach Treue und Verbindlichkeit, der nicht an der Schwelle des Büros endet – das war bereits ein Ergebnis der Befragung 2007. Zum anderen ist ins Bewusstsein gerückt, dass Glück und Zufriedenheit nicht nur über rein quantitative Leistungsorientierung zu erreichen sind.
“Viele Manager haben in der Krise erkannt, dass eine Werteorientierung hilft, in schwierigen Zeiten Kurs zu halten, und die Mitarbeiter glaubwürdig zu motivieren”, erklärte Professor Dr. Burkhard Schwenker, CEO von Roland Berger Strategy Consultants und Mitglied des Kuratoriums der Wertekommission, anlässlich der Vorstellung der Studie. “Besonders die jungen Führungskräfte fordern Werte im Management ein – die Unternehmen tun gut daran, diesen Wunsch zu erfüllen.”
Bundesweit ist der Anteil der Unternehmen, die über einen formal festgelegten und intern kommunizierten Wertekanon verfügen, gegenüber der ersten Führungskräftebefragung der Wertekommission aus dem Jahr 2007 zwar weiter auf nunmehr fast 80 Prozent gestiegen. In der Umsetzung klafft nach Wahrnehmung der Befragten allerdings eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Mehr als zwei Drittel der jungen Führungskräfte erleben keine werteorientierte Führung durch das Top-Management. Immerhin fast 40 Prozent der Befragten sagen, ihre Unternehmen bezögen sich nur aus Marketinggründen auf Werte.
Die Skepsis bezieht sich insbesondere auf die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit, mit der Unternehmensleitungen die Implementierung von Werten betreiben. Aus Sicht von mehr als der Hälfte der jungen Führungskräfte sind Managemententscheidungen nicht transparent, sauber dokumentiert und nachvollziehbar. Nur 16 Prozent der Befragten geben an, Führungskräfte würden in ihrer Leistungsbeurteilung daran gemessen, wie sie die Unternehmenswerte umsetzen. Ganze 10 Prozent erleben, regelmäßig auf die jeweiligen Unternehmenswerte aufmerksam gemacht zu werden. Werte als Maßstäbe in Konfliktfällen – darauf vertrauen in ihren Unternehmen lediglich 8 Prozent. Durchgängig fehlen den Teilnehmern der Studie Strukturen für die Durchsetzung von Unternehmenswerten.
Als wichtigste Werte im Management mahnen junge Führungskräfte Vertrauen und Ehrlichkeit an. Daneben spielt auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegenüber der ersten Befragung 2007 eine noch wichtigere Rolle. Die jungen Manager, das zeigt die Befragung, wollen immer weniger “Politik” im Unternehmen; sie wollen nicht einen großen Teil ihrer Arbeitskraft an Ränke, Intrigen, Taktieren und das Rätseln über die Strategie des Unternehmens verschwenden. Werte sind für sie die Basis, auf der sie sich in Ruhe auf ihre Arbeit und ihr Geschäft konzentrieren können.
“Für das Top-Management der Unternehmen ist die zunehmende Werteorientierung ihrer jüngeren Führungskräfte eine echte Herausforderung”, so Vorstandsvorsitzender der Wertekommission, Sven Korndörffer. “Klar ist, dass ein neuer Standard für Unternehmenswerte entsteht: Gefragt sind nicht mehr lockere, frei interpretierbare Absichtserklärungen, sondern verbindliche, belastbare und berechenbare Abmachungen. Werte sind aus Sicht junger Führungskräfte längst kein weicher Faktor bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes mehr. Sie sind vielmehr ein hartes Kriterium für die Beurteilung des eigenen Unternehmens geworden.”
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