
media-TREFF.de: Herr von Reibnitz, die Aussichten für die Printbranche sehen in diesem Jahr weniger rosig aus. Kann es gelingen, zurückgehende Umsätze im Stammgeschäft mit Onlineerlösen zu kompensieren?
Alexander von Reibnitz: Angesichts der gesamtkonjunkturellen Verwerfungen, werden alle werbefinanzierten Geschäftsmodelle mit geringerem Umsatzwachstum bzw. sogar -rückgängen konfrontiert sein. Online Werbung wird in 2009 weiter wachsen, allerdings mit geringeren Raten als in der Vergangenheit. Verlage setzten im Internet aber auf Diversifizierung und profitieren inzwischen im Schnitt von 4-6 verschiedene Erlösquellen. Insofern können die Online Umsätze zur Stabilisierung des Gesamtumsatzes beitragen.
Wo liegt das Problem? Haben die Verlage weder Geld, noch Mut, noch Strategie, wie es Klaus Schweinsberg auf den Zeitschriftentagen formulierte.
Provokante Zuspitzungen gehören mitunter zur Aufgabe eines anspruchsvollen Moderators. Die Realität in den Zeitschriftenregalen, die europaweit zu dem am best bestücktesten Printangebot beitragen, zeigt, dass die Verlage hierzulande Tag für Tag daran arbeiten, dieses Spitzenprodukt noch ein bisschen besser zu machen und für die Zukunft auch wettbewerbsfähig zu halten. Es gibt zahlreiche Beispiele erfolgreicher Ideen und Geschäftsmodelle, auch im Ausland, die sich auch für die deutsche Verlagslandschaft als interessant herausstellen könnten. Gerade der Blick über die nationalen Grenzen schärft die Sicht und hilft, einen Perspektivwechsel vorzunehmen.
Eine solche Gelegenheit bietet der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger auch in diesem Frühjahr wieder mit dem Digital Innovators’ Summit. Ist das eine Art DLD – Digital Life Design, nur für Verlage?
Nein, der Innovators’ Summit ist ganz anders positioniert. Dem VDZ geht es bei dieser Veranstaltung vor allem um neue, praxisrelavante und erfolgreiche Geschäftsideen. Auf der Veranstaltung werden an zwei Tagen (Anmerkung media-TREFF: 03. und 04. März 2009) neben internationalen Top-Referenten über 30 Unternehmen aus den technologisch führenden Ländern USA und Israel ihre Angebote für das digitale Mediengeschäft vorstellen. Ziel des Kongresses ist nicht nur, den Verlegern Inspirationen und Informationen zu aktuellen und kommenden Entwicklungen zu geben, sondern auch Publikums- und Fachverlagen konkrete Geschäfts- und Kooperationsmodelle vorzustellen und eine direkte Geschäftsanbahnung zu ermöglichen.
Welche Kriterien waren für die Teilnahme der vorstellenden Unternehmen ausschlaggebend?
Zunächst sollen die vorgestellten Ideen bereits in ein erfolgreiches Geschäftskonzept gemündet sein, das sich am Markt bewährt hat. Ein weiteres Kriterium ist die Innovativität des jeweiligen Ansatzes. Entweder muss ein Potenzial für Zusatzerlöse oder für Kosteneinsparungen/Effizienzgewinne vorliegen.
Wo werden die inhaltlichen Schwerpunkte liegen?
Wir konzentrieren uns thematisch auf folgende Punkte: Online und Video Advertising, den Komplex Search, SEO/SEM und vertikale Suchmaschinen. Des weiteren befassen wir uns auf dem DIS mit den Themen Mobile Advertising und Tools, Site- und Traffic-Management. Darüber hinaus geht es aber auch um inhaltliche Aspekte wie Contentformate und -erstellung sowie Social Networking und Communities fehlen nicht.
In den vergangenen Wochen wurde von einigen Experten und Trendforschern ein altes Thema wieder ausgegraben, das den Verlagen die bröckelnden Umsätze im Print kompensieren soll: Paid Content. Sehen Sie die Möglichkeit einer Wende im digitalen Geschäft, hin zu Bezahlinhalten?
Bisher funktioniert dieses Geschäftsmodell nur im B2B-Bereich, bis auf wenige Ausnahmen nicht B2C. Grundsätzlich besteht nur eine Zahlungsbereitschaft, wenn die Inhalte exklusiv, hoch- und nutzwertig sind. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann man mit diesem Geschäftsmodell erfolgreich sein.
Herr von Reibnitz, wir bedanken uns für das Gespräch.
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