Gibt es im Zeitalter von YouTube und Sevenload eigentlich noch die Fernsehsendung „Die witzigsten Werbespots der Welt“? An diesem Format waren jedenfalls zwei Dinge bezeichnend: Erstens, das Programm wurde von einer Stimmungskanone und Moderatorenlegende namens Fritz Egner moderiert und zweitens: Man musste über den Tellerrand deutscher Clips hinausblicken, um auf etwas Unterhaltsames zu stoßen. Ob es daran liegen mag, dass – Klischeemodus on – die Deutschen gerne zum Lachen in den Keller gehen – Klischeemodus off, eines steht jedenfalls fest: In vielen Bereichen wird lieber plagiiert, als auf das eigene Können zu vertrauen.
Besonders hanebüchen wird es aber, wenn ausgerechnet in der sonst so viel gescholtenen Politik Anleihe genommen wird für die eigene Kreativität – und Lustigkeit. Wer kann heutzutage einen zig tausendmal zitierten Satz wie „Und das ist auch gut so“ noch hören? Der clevere Ausspruch Klaus Wowereits hinsichtlich seiner sexuellen Präferenzen nahm damals seinen vermeintlichen, tatsächlichen und künftigen Gegnern das letzte laue Lüftchen aus den Segeln. Der Erfolg war allerdings so durchschlagend, dass dieser rhetorische Kniff seitdem für alle möglichen Nichtigkeiten herhalten muss:
„Tanja trennt sich jetzt von Peter – und das ist auch gut so.“
„Wir ernähren uns überwiegend von Bio – und das ist auch gut so.“
„Die Jungs aus Hoffenheim haben wieder frischen Wind in die Liga gebracht – und das ist auch gut so.“
“Alles wird gut so” ist passé
Jetzt läuft ein neuer Spruch eines anderen Eloquenz-Potenten dem „Gut so“ des Armabersexy-Bürgermeisters den Rang ab. Und die deutschlandweite Me-Too-Gemeinde schickt sich an, den ganz großen Coup zu landen – mit „Yes we can“ in allen Varianten. Getreu dem Motto: Obwohl man auch sonst nicht zu denjenigen gehört, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, kann man trotzdem und zusätzlich vom Glanz anderer profitieren. Dass mit einer solchen Charaktereigenschaft Ausgestattete keinen Erfolgs-Automatismus herbeizwingen können, durfte erst kürzlich Frau Ypsilanti erfahren, deren Abwandlung „Yes, we do…“ kräftig konterkariert wurde. Vielleicht gibt’s in diesem Sinne auch bald die denglische Fortsetzung einer erfolgreichen Kampagne: Yes we can alles, außer Hochdeutsch!
Ein anderes Beispiel: Kürzlich meinte ein Witzbold hinterm Tresen einer Imbiss-Bude zu mir: Fritten rot-weiß, Döner komplett – yes, we can. Viele dieser Spaßvögel bewegen sich auf dem Niveau des Komikers Fips Asmussen, der einst freudig verkündete, es mal in Nordamerika zu versuchen, ganz nach dem Motto: Kanna hier nich, Kanna da.
Aber es sind nicht nur Nichtigkeiten, denen mit Obamas rhetorischer Panzerfaust höherer Glanz verliehen werden soll. Während der Suffix 2.0 immer noch dafür herhalten muss, eine Innovation vorzugaukeln, die aber keine ist (Ehefrau 2.0, Blase 2.0 undsoweiterundsofort), muss der künftige US-Präsident für vermeintliche Erfolgsgeschichten herhalten, die vor allem eines beabsichtigen: Alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. „Was Marketing-Profis von Obama lernen können?“, „Mit der Obama-Methode die Mediaplanung optimieren“ oder „Wie sie mit Obama-Tricks ihre Kleinen zu besseren Schulleistungen motivieren.“
At the end of the day
Da kann es nicht mehr lange dauern, bis die erste Obama-Diät kommt oder passend zur Jahreszeit, „Wie sie mit der Obama-Methode verhindern, dass Ihre Plätzchen anbrennen.“ Wenn im Januar der Amtswechsel in Washington ansteht, wird die Vorfreude darauf der nüchternen Last des Präsidenten-Alltags weichen. Dann muss sich Obamas Change-Rhetorik genauso an der Realität und am Erfolg messen lassen, wie dies eine Werbekampagne tun muss. Spätestens dann wird „Yes we can“ wieder aus dem Repertoire der Sprücheklopfer verschwunden sein und in seiner ursprünglichen Bedeutung in Erinnerung bleiben: Als bedeutender Slogan eines bedeutenden Wahlkampfes.
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Ursprüngliche Bedeutung?! Es ist ja nicht so, dass Obama den Slogan erfunden hat. In vielen amerikanischen Kinderzimmern wurde “Yes we can” schon 1999 geschmettert.
http://video.google.com/videoplay?docid=-5795900269334851154
Bob der Baumeister motiviert damit seine Baumaschinen-Crew für jeden Einsatz. Und (vor allem kleine Jungs) zum Mitsingen.
In diesem Sinne: Jo, wir schaffen das.