GfK-Tagung zum Thema: Klimafreundlicher Konsum –
Gewinner und Verlierer des Klimawandels

Der Klimawandel hat nicht nur eine klimatische, sondern auch eine marktwirtschaftliche Dimension. Letztere schließt staatliche Maßnahmen ein, die den Klimawandel und seine negativen Auswirkungen bekämpfen sollen. Durch den Wandel bieten sich jedoch auch große Chancen, wie Professor Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe anläßlich einer GfK-Tagung unter dem Thema „Klimafreundlicher Konsum: Herausforderung und Chance für Hersteller, Handel und Verbraucher”, die rund 600 Marketingexperten aus dem In- und Ausland in Nürnberg besuchten, analysierte und beleuchtete in seinem Vortrag die Chancen für die Wirtschaft und prognostitzierte Gewinner und Verliererbranchen.

Die Energiewirtschaft steht besonders im Fokus der Politik. Erneuerbare Energien zählen zweifelsohne zu den Gewinnern des Klimawandels, da sie in den nächsten Jahren weiterhin von klimapolitisch motivierten Förderprogrammen profitieren werden. Dagegen werden fossile Energieträger durch staatliche Maßnahmen tendenziell verteuert. Der Erforschung und Entwicklung effizienterer und neuer Energietechnologien kommt künftig eine tragende Rolle zu.

In der Land- und Forstwirtschaft sind sowohl die Schattenseiten, aber in einzelnen Bereichen auch die Chancen zu spüren. So werden die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse unter anderem wegen der staatlich geförderten höheren Nachfrage nach Bioenergien steigen. Die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energiepflanzen nimmt zu. In nördlich gelegenen Ländern wie Skandinavien sind höherer Ernteerträge wahrscheinlich. In Ländern mit zunehmender Wasserknappheit wie beispielsweise Spanien verschlechtern sich dagegen die Bedingungen. Die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion steigen, da Bewässerung, der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie die Gentechnologie an Bedeutung gewinnen.

Die Bauindustrie kann dauerhaft profitieren. Für die Bauwirtschaft sowie verwandte Sektoren wie Bauhandwerk, Ingenieure, Architekten, Hersteller von Dämmstoffen, Fenster- und Fassadenbauer liegen enorme Potenziale in der energetischen Sanierung von bereits vorhandenen Gebäuden. Die Beseitigung von Schäden nach extremen Wetterereignissen kann regionale und saisonale Sonderkonjunkturen auslösen.

Viele industrielle Wirtschaftszweige können einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner negativen Folgen leisten. Dazu zählen Maschinenbau und Elektrotechnik. Sie verfügen über enorme Wachstumschancen und zählen daher zu den Gewinnern des Klimawandels. Auch Querschnittsbranchen wie die Chemieindustrie können profitieren. Die boomende Umwelttechnik wird noch mehr Arbeitsplätze schaffen als bisher. Die Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen, hat aber die Chance, mit energieeffizienten Fahrzeugen national wie international erfolgreich zu sein.

Bei Dienstleistungen kommen auf die Verkehrswirtschaft hingegen stärkere staatliche Belastungen zu. Im Tourismussektor ist mit erheblichen regionalen und saisonalen Verschiebungen von Touristenströmen zu rechnen. Für die Finanzwirtschaft wird die Kalkulation von Risiken schwieriger, allerdings eröffnen sich vielfältige neue Geschäftsoptionen wie beispielsweise nachhaltige Investments.
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