Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Freiberufler haben volle Auftragsbücher. Man muss auch “jönne könne”, denke ich mir als Rheinländer, wenn ich die positiven Statusmeldungen meiner Kontakte in Xing lese: Ludwig freut sich über neue Projektanfragen, Charlotte freut sich auch über neue Projektanfragen und Richard freut sich sowieso immer, denn der ist auch Rheinländer.
Stutzig macht mich allerdings, dass bei allen Friede, Freude, Eierkuchen auf dem Bildschirmschoner steht, bis es bei mir “Klick” macht: Die haben gar keine vollen Auftragsbücher – jedenfalls sind noch ein paar Seiten im Moleskine frei.
Die Statusmeldung müsste korrekterweise heißen: “…freut sich auf Projektanfragen”. Mir kommen Zweifel, ob das Ganze nicht etwas zu korinthenka… beckmesserisch sei, doch dann fällt mein Blick auf das Wort “Projektanfragen” und sofort denke ich: Das riecht so richtig schön nach “Wir nennen es Arbeit”: Mit ‘nem Macbook Pro und ‘nem Latte in ‘nem Café in Mitte freut sich Sascha man sich über Projektanfragen. Auf der anderen Seite klingt “freut sich über Aufträge” nach Ebbe in der Kasse und danach, als würde der Mann von den Stadtwerken gerade das Stromkabel im Keller verplomben.
Allem etwas Gutes abzugewinnen ist eine Tugend und so freuen sich meine Kollegin und ich auf das Statusmeldungs-Bingo – zu Beginn jeder Mittagspause. Drücke F5, klicke jemanden bei “Kontakte meiner Kontakte”, drücke F5, klicke jemanden bei “Kontakte meiner Kontakte uswusf. Wer als Erster “…freut sich über Projektanfragen” entdeckt, brüllt laut “Status-Bingo!” und bekommt nach dem Mittagessen den Espresso ausgegeben.
Mittlerweile steht es 7:3 für meine Kollegin, aber nach dem Bayernspiel gegen Getafe habe ich neuen Mut geschöpft. Dass Lars Hinrichs himself keine neuen Projektanfragen anfordert, war mir zwar bewusst, als er in den “Kontakten meiner Kontakte” auftauchte. Die Neugier war dennoch groß und darum klickte ich sein Profil an. Meine Kollegin gewann zwar zwei F5s später, aber dafür habe ich jetzt eine wunderbare Standardantwort, wenn ich eine ungewollte Kontaktanfrage vorfinde: “I only accept contact requests from people I met in person and can say something about them. If you need an introduction to my network, ask.” Mister Hinrichs, you made my day!
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Ja, das mit den “freut sich über …” ist doch langweilig und völlig überflüssig. Ich halte es da wie mein Kontakt F.W., der sich einen Spaß drauß macht, mit Statusmeldungen wie “bembelt rum” oder “juriert fröhlich vor sich hin” dem Status etwas Humor zu verpassen. Ich suche übrigens im Status gerade eine Apfelweinkneipe in Hamburg. Wer eine weiß, melde sich!
Statusmeldungen zaubern mittlerweile ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Die “freut sich über neue Projekte”-Fraktion hat wohl noch nicht entdeckt, dass es freie Texte gibt. Ich bin mir sicher, ein Großteil von Ihnen hat sich dazu überhaupt keine Gedanken gemacht. Weder über den Inhalt, noch über die Wirkung.
Dann gibt es noch die “ich-bin-wichtig-und-muss-täglich-die-Leser-informieren”-Fraktion. Das ist auch nicht wirklich prickelnd, denn wen interessiert es in Xing, dass Martin gerade seine Tochter füttert. Dann sollte der Status für eine Zeit eben leer, wenn es nicht wirklich Interessantes gibt.
Statusmeldungen wie “ich suche Apfelweinkneipe”, habe noch kostenlose Eintrittskarten für die Messe .., halte Vortrag in….. sind dagegen sachlich und informieren uns Leser über geeignete Dinge.
Übrigens, ich sitze auch gerade vor meinem Mac und trinke Cappuccino. Aber nicht in einem sonnigen Würzburger Cafe, sondern in meinem Büro. Sorry, das steht aber nicht in meiner Statusmeldung.
Herrlich! Selten so gelacht. Kann man das über Skype und/oder Twitter mit Externen spielen? Fühle mich an die Zeiten erinnert, als wir vor der Mittagspause nach “Hompage” gegoogelt hatten. Wer als erstes drei Universitäten, drei Firmen und drei Privatpersonen mit einer “Hompage” gefunden hatte, der durfte sich auf den Espresso einladen lassen. Aber keine Uni, keine Firma und kein Privatmann durften mehrfach “gefunden” werden. Wurde zum Schluss immer schwieriger, aber wir hatten einen Joker: Jede gefundene Homepage einer Freiwilligen Feuerwehr. Und dann kam der Kollege, der jeden gefundenen “Expresso” auch noch als Joker gewertet werden wollte…
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Danke, had a good laugh. Hat mir den Feierabend versüsst
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