Digitale Reputation:
Karneval im Zeitalter von Xing und StudiVZ heil überstehen

fasching.jpgAlle Jahre wieder gibt es die gleichen Rituale: Naht die fünfte Jahreszeit, gibt es jede Menge Ratschläge, wie die tollen Tage ohne größere Blessuren zu überstehen sind.

Während vor den obligatorischen Weihnachtsfeiern zum Jahresende regelmäßig vor alkoholischen Exzessen und Vorbeibenimm auf dem Betriebsfest gewarnt wird, beschränken sich die Ratgeber an Fasching und Karneval vielfach auf die physiologische Schadensbegrenzung.

Selbst die sonst auf politische Korrektheit achtenden Gesundheitsapostel der „Deutschen Gesellschaft für Ernährungsberatung“ konzentrieren sich auf die Nachsorge: Viel Wasser zwischendurch trinken, eine gute Grundlage schaffen und am nächsten Morgen ein salziges Essen getreu dem Motto: „Immer an die Elektrolyte denken!“

Einheimischen und Rheinländern auf Zeit gibt media-TREFF ein paar Tipps, damit das Social Networking unter Jecken nicht nach hinten losgeht.

1. Stellen Sie keine Kostümfotos in Ihr Profil. Wenn Google sein Logo weihnachtlich schmückt, mit Sylvesterraketen spickt oder anderweitig thematisch gestaltet, ist das in Ordnung – bei Ihnen nicht. Context ist zwar King, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Pappnase oder Matrosenkäppi haben im Business-Netzwerk nichts zu suchen. Dieses Prinzip wird aufgeweicht, wenn sämtliche Ihrer bestätigten Kontakte als „Ort, geschäftlich“ KÖLN eingetragen haben.

2. Wählen Sie ein Kostüm, in dem nicht einmal Ihre eigene Mutter Sie erkennen würde und wahren Sie Ihre Anonymität. Was nützt Ihnen die beste Verkleidung, wenn das Bild mit dem völlig paralysiert schauenden Clown mit Ihrem Namen vertaggt wird. Achten Sie vor allem darauf, mit wem und in welchen Posen Sie abgelichtet werden (siehe auch Punkt 3). Besorgen Sie sich Aschermittwoch einen Fake-Account für StudiVZ und überzeugen Sie sich davon, dass die Weste Ihrer digitalen Reputation genauso weiß ist wie Ihr Schädel schwer.

3. Sie sind kein Freund von Eifersuchtsdramen? Dann verzichten Sie darauf, Ihre in die Fastenzeit hinübergerettete Karnevalsbekanntschaft als Kontakt bei Xing zu bestätigen. Ihre Partnerin oder Ihr Partner erfährt sofort, mit wem Sie jebützt haben durch die Funktion „Neues aus meinem Netzwerk“. Übrigens: Bützen ist alles andere als digital, sondern der rheinische Ausdruck für Küssen. Sollten Sie das Schunkeln mit Ihrer Karnevalsbekanntschaft zu einer festen Einrichtung machen wollen, dann achten Sie ebenfalls darauf, dass Ihr Kontakt den Geolocator deaktiviert hat. Sonst könnte insistierendes Klingeln bei Ihrer Bekanntschaft weder vom Postmann noch vom Pizza-Boten stammen.

4. Reichen Sie rechtzeitig Urlaub ein! In vielen Regionen Deutschlands sind weder Weiberfastnacht noch Rosenmontag ein Brauchtumstag. Sollten Sie dies missverstanden haben und sich unerlaubt vom Arbeitsplatz entfernt haben, könnte dies eine fristlose Kündigung nach sich ziehen. Neue Jobs, die zu Ihnen passen, finden Sie schnell unter Xing-Marketplace (Sollten Sie Regel 1 gebrochen haben, laden Sie schnell wieder ein seriöses Foto hoch). Haben Sie die jecke Zeit etwas übertrieben und stehen Aschermittwoch vor einem ausgewechselten Haustürschloss, müssen Sie darauf hoffen, dass echte Fründe zusammen stonn. Die Funktion „Immobilien“ im Marketplace lässt noch auf sich warten.

5. Vermeiden Sie gegenüber Karnevalsbekanntschaften Detailinfos über Privates und Berufliches! Das Hobby “Fliegenfischen” oder ein Vorname wie Gislind oder Sunhild lassen Sie mit ein, zwei Zusatzinfos schnell ausfindig machen. Gleiches gilt für skurrile Firmennamen oder den Hinweis auf ein Auslandssemester an einer afrikanischen Uni. Vertrauen Sie nicht auf die Xing-AGB oder das neue Stalker-Gesetz: Eine Klette ist eine Klette ist eine Klette.

Na, denn: Helau und Alaaf und für alle Karnevalsflüchtlinge: Ski heil! Und immer dran denken: Et kütt wie et kütt un et hätt noch immer jot jejange!

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6 Gedanken zu “Digitale Reputation:
Karneval im Zeitalter von Xing und StudiVZ heil überstehen

  1. Pingback: Hinweis auf Artikel zur digitalen Reputation | Joachim Rumohr - Der NetworkingCoach

  2. Hallo Herr Zabel,

    nun, ich kenne Köln und ich kenne auch den Karneval. Und ja, diese Zeit ist ein wenig exhibitionistisch. Und die Rheinländer neigen ja ohnehin dazu, mit jedem und über alles zu reden.

    Ich habe mir einige Eigenheiten angewöhnt, bevor ich vor zwei Jahren nach München gezogen bin und kann heute sagen, dass die rheinländische Art mir auch hier weiterhilft.
    Ich gebe Ihnen recht, dass ein Foto, in denen der Akteuer in bedenklich alkoholisiertem Zustand zu sehen ist, die Karriere nicht gerade fördern. Andererseits tun dies nahezu alle Menschen. Sie feiern. Auch die graue Maus aus der Buchhaltung wird an Karneval mal “fünfe gerade sein lassen”. Nicht jeder exzessiv und nicht jeder mit der Digi-Cam in der Hand.

    Aber die Karnvelaszeit hat auch den Vorteil, dass man wieder neue und spannende Menschen kennenlernt und am Ende von diesen noch profitieren kann. So ist zumindest meine Erfahrung. Also ganz so anonym, ganz so geheimnisvoll wird es bei mir auch dieses Jahr nicht werden.

    In diesem Sinne Kölle Alaaf. Und…Dat bliev unger uns! Do hammer all jet vun!

    Grüße,
    AH

  3. Tja, ich halte es schon mit dem Motto: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

    Für Nicht-Rheinländer – so lautet die erste Strophe: “Am Aschermittwoch – Ist alles vorbei. Die Schwüre von Treue – Sie brechen entzwei, Von all deinen Küssen – Darf ich nichts mehr wissen.” Die einzige Karnevalsbekanntschaft, bei der ich eine Ausnahme gemacht habe, ist meine Ehefrau (Verkneife mir jetzt an dieser Stelle das obligatorische Wowereit-Zitat).

    In diesem Sinne: Kölle Alaaf! und immer dran denken: Leeve un leeve losse.

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  6. Pingback: Social Networking - die spätpubertäre Peergruppenfalle

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